Kurz vorab
„Was kostet das ungefähr?" – diese Frage höre ich in fast jedem Erstgespräch. Und ich verstehe, warum viele Entwickler sie nicht direkt beantworten: Webanwendungen sind individuell, der Aufwand variiert stark, und niemand möchte falsche Erwartungen setzen. Trotzdem: Wer keine Orientierungszahlen nennen kann, hilft dem Gegenüber nicht weiter.
Dieser Artikel gibt euch konkrete Preisrahmen für jede Projektkategorie, erklärt die wichtigsten Kostentreiber und zeigt, was typischerweise im Angebot fehlt – und dann beim Abschluss für böse Überraschungen sorgt. Alle Preise sind Endpreise gemäß § 19 UStG (Kleinunternehmerregelung) – keine Mehrwertsteuer.
Die Grundkategorien und ihre realistischen Preise
Nicht jede Website ist gleich. Das klingt trivial, aber in der Praxis vermischen sich hier oft völlig unterschiedliche Produktkategorien – was zu falschen Erwartungen auf beiden Seiten führt.
Landingpage (single-page, Konversionsfokus)
Eine professionelle Landingpage – eigenes Design, mobil optimiert, schnelle Ladezeiten, Kontaktformular, SEO-Grundkonfiguration – kostet zwischen 2.500 € und 6.000 €. Darunter landet ihr entweder bei einem Baukastensystem oder bei einem Freelancer, der keine Discovery-Phase macht. Beides ist keine gute Basis für ein Geschäftsergebnis.
Was in diesem Rahmen enthalten ist: Konzeption, ein Designentwurf mit zwei Korrekturschleifen, Responsive-Umsetzung, Basis-SEO (Meta-Tags, Schema.org, Core Web Vitals-Optimierung), Einbindung eines Analyse-Tools und technischer Launch. Typische Laufzeit: 2–3 Wochen.
Mehrseitige Unternehmenswebsite (5–15 Seiten)
Hier reden wir von 6.000 € bis 15.000 €. Der Sprung kommt nicht nur von der Seitenanzahl – er kommt von Navigationsstruktur, Content-Strategie, CMS-Integration (damit ihr selbst Inhalte pflegen könnt), E-Mail-Anbindung und einem umfangreichen Designsystem, das über mehrere Seiten konsistent bleibt.
Viele Praxiswebsites, Versicherungsmakler-Auftritte und Unternehmensseiten für regionale KMUs in der Karlsruher Region liegen in diesem Bereich. Typische Projektlaufzeit: 6 bis 10 Wochen. Der Hauptaufwand ist nicht Coding – es ist die Abstimmung von Inhalten, Zielgruppen und Seitenstruktur.
Individuelle Webanwendung (ab 12.000 €)
Sobald eine Anwendung Benutzer-Logins, Datenbankzugriffe, rollenbasierte Berechtigungen, API-Integrationen oder komplexe Business-Logik enthält, beginnt der Bereich der individuellen Webanwendung. Ab 12.000 € ist hier ein realistischer Einstieg – und nach oben gibt es keine Deckelung.
Beispiele: Mitgliederportale, Buchungssysteme, interne Verwaltungstools, Kunden-Dashboards, Abrechnungsautomatisierungen für Praxen oder Pflegedienste. Der Stack ist React + TypeScript im Frontend, Node.js + PostgreSQL im Backend. Mehr zu konkreten umgesetzten Projekten findet ihr unter /projekte.
SaaS-MVP (ab 25.000 €)
Ein Minimum Viable Product für ein Software-as-a-Service-Produkt – mit Multi-Tenancy, Subscription-Zahlungen via Stripe, Onboarding-Flow und Admin-Dashboard – startet bei 25.000 €. Alles darunter ist entweder kein echtes SaaS oder es fehlen wesentliche Komponenten für den produktiven Betrieb.
Das ist der Bereich, in dem Gründer und kleine Agenturen mich kontaktieren. Eine ehrliche Einschätzung gehört dazu: Ein SaaS-Produkt ist kein Website-Projekt, es ist ein Produkt. Das bedeutet iterative Entwicklung, laufende Maintenance und kontinuierliche Weiterentwicklung.
Was den Preis tatsächlich bestimmt
Vier Faktoren machen in der Praxis den größten Unterschied zwischen einem 5.000-€-Projekt und einem 20.000-€-Projekt.
Feature-Umfang: Jede Integrations-Schnittstelle kostet Entwicklungszeit. Eine einfache Kontaktseite ist mit drei Stunden abgerechnet. Ein vollständiger Buchungsablauf mit Bestätigungs-E-Mails, Kalender-Sync und Zahlungsabwicklung kostet 20 bis 40 Stunden allein für das Backend. KI-Integration (z. B. automatische Antworten auf Patientenanfragen) kommt noch einmal dazu.
Design-Freiheit: Ein individuelles UI-Design von Grund auf kostet Zeit – in der Regel 30–40 % des Gesamtbudgets. Wer dagegen ein bewährtes Designsystem als Grundlage akzeptiert und nur Farben, Typografie und Logo anpasst, spart 20 bis 40 % der Designkosten. Das Ergebnis sieht für Laien fast identisch aus; für Entwickler ist es ein komplett anderer Aufwand.
Integrationen und Schnittstellen: Externe APIs sind notorisch unberechenbar. Gut dokumentierte Systeme (Stripe, Mailchimp, Google Calendar) sind in Stunden integriert. Schlecht dokumentierte oder proprietäre Dritt-Systeme – z. B. alte Praxisverwaltungssoftware mit SOAP-Schnittstelle – können aus einem Zwei-Stunden-Job eine Zwei-Wochen-Recherche machen. Das muss im Angebot berücksichtigt werden.
Hosting und laufende Betreuung: Eine Website, die gebaut und dann vergessen wird, ist kein Produkt – sie ist eine Zeitbombe. Sicherheitslücken in ungepatchten Abhängigkeiten, abgelaufene SSL-Zertifikate, geänderte API-Keys. Mehr dazu im Abschnitt zu Care-Verträgen weiter unten, oder direkt unter /hosting.
Die Hidden Costs, die im Angebot fehlen
Das ist der Teil, den die meisten Angebote verschweigen – und der dann bei der Schlussrechnung für Überraschungen sorgt.
- Domain: 10–20 € pro Jahr bei einfachen .de-Domains. Umzüge, WHOIS-Konfiguration und DNS-Propagation können aber 1–2 bezahlte Stunden bedeuten.
- SSL-Zertifikat: Heute meist kostenlos via Let's Encrypt – aber korrekt eingerichtet und automatisch erneuert sein muss es trotzdem. Falsch konfiguriert kostet es einen halben Tag.
- Content und Copywriting: Wer liefert die Texte? Wenn ich sie schreibe, kostet das je nach Umfang 500–2.500 €. Wenn ihr sie liefert, kostet es Abstimmungsrunden und Einpflege-Zeit. Unterschätzt das nicht – schlechte Texte ruinieren eine gute Website.
- Bilder und Grafiken: Stockfotos, professionelle Fotos oder eigene Illustrationen – 0 € (wenn ihr gutes Material habt) bis 1.500 € (wenn ein Fotograf beauftragt werden muss).
- Projektmanagement und Kommunikation: In meinen Festpreisen ist das enthalten. Bei Stundensatz-Abrechnung anderer Anbieter nicht – das kann 10–20 % Aufschlag bedeuten, der nicht explizit ausgewiesen wird.
- Testing und QA: Cross-Browser-Tests, Accessibility-Checks nach WCAG 2.1, Performance-Audits (Lighthouse), Sicherheitsscans. Kein optionaler Punkt, sondern Pflicht.
- DSGVO-Konformität: Datenschutzerklärung, Cookie-Consent-Layer, korrekte Einbindung von Drittdiensten. Bei Praxen, Pflegediensten und Finanzvermittlern besonders kritisch. Die Datenschutz-Grundlagen für meinen eigenen Auftritt zeigen, wie das aussieht.
Konkretes Beispiel: Praxis-Website mit Online-Buchung
Ein häufiger Projekt-Typ in der Karlsruhe-Region: Eine medizinische oder therapeutische Praxis möchte eine neue Website mit integriertem Online-Buchungssystem, automatischen Bestätigungs-E-Mails, Google-Kalender-Sync und einer DSGVO-konformen Kontaktformular-Lösung.
Hier ist eine typische Kosten-Aufstellung:
| Phase | Leistung | Kosten |
|---|---|---|
| Discovery | Anforderungsanalyse, Seitenstruktur, technisches Konzept, Datenschutz-Check | 1.500 € |
| Design | UI/UX-Entwurf (4 Seitentypen + Designsystem), 2 Korrekturschleifen | 2.500 € |
| Frontend | React-Implementierung, Responsive, Animationen, Accessibility WCAG 2.1 | 4.500 € |
| Backend | Node.js API, PostgreSQL, Buchungslogik, E-Mail-Automatisierung via SMTP | 3.000 € |
| Integration & Launch | Kalender-Sync, DNS-Setup, Monitoring-Konfiguration, Dokumentation, Übergabe | 1.500 € |
| Gesamt | 13.000 € |
Dazu kommt ein optionaler Care-Vertrag ab 49 €/Monat. Der enthält: monatliches Dependency-Update mit Changelog, Uptime-Monitoring mit automatischer Benachrichtigung, tägliches verschlüsseltes Backup, 30 Minuten Content-Änderungen pro Monat und Priorität bei Support-Anfragen (Response-Zeit 4 Stunden). Ohne so einen Vertrag ist eine Website nach 18 Monaten oft veraltet und mit bekannten Sicherheitslücken.
Den gesamten Projektablauf von der ersten Anfrage bis zum Launch habe ich auf der Prozess-Seite dokumentiert.
Festpreis – nicht Stundensatz. Warum?
Ich gebe grundsätzlich Festpreise. Der Grund ist simpel: Als Auftraggeber möchtet ihr wissen, was ihr bezahlt – nicht nach Projektabschluss eine Rechnung bekommen, die je nach Verlauf 30 % über dem ursprünglichen Kostenvoranschlag liegt. Das passiert bei Stundensatz-Projekten regelmäßig, wenn Anforderungen unklar sind oder sich während der Entwicklung ändern.
Festpreise erfordern eine saubere Discovery-Phase. Wenn wir anfangs 60 bis 90 Minuten in die Anforderungsanalyse investieren – was passiert auf der Website, wer sind die Nutzer, welche Integrationen braucht es – kann ich einen verlässlichen Preis nennen. Das ist kein Risiko für euch, es ist Planungssicherheit.
Der einzige Vorbehalt: Wenn ihr während der Entwicklung den Scope signifikant erweitert – neue Features, neue Seitentypen, neue Integrationen, die nicht besprochen waren – wird das als separater Auftrag kalkuliert. Das ist fair und transparent, und ich sage das vorher klar.
Was ein gutes Angebot enthält
Ich sehe regelmäßig Angebote, die ein Konkurrent geschickt hat. Manche sind gut – viele sind Lückentexte. Ein seriöses Angebot für eine Webanwendung enthält mindestens:
- Scope-Definition (was ist explizit enthalten, was nicht)
- Meilensteinplan mit Zahlungsplan
- Revisions-Regelung (wie viele Korrekturschleifen, was kostet Extra-Aufwand)
- Hosting-Modell und Infrastruktur-Beschreibung
- Übergabe-Dokumentation (Zugänge, Abhängigkeiten, Deployment-Prozess)
- Definition of Done
Fehlt eines davon, fragt nach. Oder schreibt mir direkt – ich zeige euch ein Beispielangebot.
Häufige Fragen
Kann ich auch mit einem kleineren Budget anfangen?
Ja – aber dann müssen Prioritäten klar sein. Eine fokussierte Landingpage für 3.000–4.000 € kann für ein junges Unternehmen oder eine neue Praxis der richtige erste Schritt sein, wenn der Scope eng gehalten wird. Wichtig: Das ist kein Kompromiss bei der Qualität, sondern bei der Menge. Ich berate euch dazu gerne im Erstgespräch.
Was ist mit WordPress oder anderen CMS-Lösungen?
Ich baue individuelle Lösungen – React, TypeScript, Node.js. Für bestimmte Anwendungsfälle (z. B. reines Content-Management ohne spezifische Business-Logik, großes Redaktionsteam) kann ein CMS sinnvoll sein; dann empfehle ich es auch und sage das offen. Aber für alles mit komplexerer Business-Logik, KI-Integration oder individuellen Buchungsabläufen ist ein maßgeschneidertes System langfristig günstiger im Betrieb und einfacher zu warten.
Wie lange dauert ein typisches Projekt?
Eine Landingpage: 2–3 Wochen. Eine Unternehmenswebsite: 6–10 Wochen. Eine individuelle Webanwendung: 10–20 Wochen, je nach Komplexität. Diese Zeiten gelten bei guter Kommunikation und pünktlicher Content-Lieferung von eurer Seite. Der häufigste Verzögerungsgrund ist nicht Entwicklung, sondern fehlende Texte und Bilder.
Wie läuft die Zahlung ab?
Ich arbeite in der Regel mit drei Meilensteinen: 30 % bei Projektstart nach Discovery, 40 % nach Abnahme des Designs und der Entwicklungsphase, 30 % nach technischem Launch. Das sichert beide Seiten ab und vermeidet die klassische Situation, in der ein Auftraggeber nach Abschluss zahlt und dabei kein Druckmittel mehr hat. Die genaue Zahlungsstruktur wird im Angebot festgelegt.
Fazit
Transparente Preise sind kein Wettbewerbsnachteil – sie sind ein Vertrauenssignal. Wer mir gegenübersitzt, soll wissen, was ein Projekt kostet, bevor wir anfangen zu reden. Das spart uns beiden Zeit und führt zu besseren Projekten mit realistischen Erwartungen auf beiden Seiten.
Wenn ihr eine konkrete Anfrage habt oder einfach wissen möchtet, was euer Vorhaben realistisch kosten würde – das erste Gespräch ist kostenfrei.



